Beginen und ihre Regeln

12.07.2021 ©Uta-Maria Freckmann

 

Es ist überliefert, dass schon die historischen Beginen in ihren Konventen eine Hausordnung besaßen, nach der sie miteinander lebten. Diese sollte ihr Zusammenleben ordnen, ihnen Schutz bieten vor Angriffen von außen und Verdächtigungen vermeiden wegen Unkeuschheit, Häresie oder Hexerei. Regeln halfen, um ihren spirituellen Fortschritt zu fördern und sie stärkten den Zusammenhalt der Frauengemeinschaften. Die Beginen waren für die damalige Zeit (ca. 1200 bis 1700 Jhd.) eine recht freiheitlich lebende Gemeinschaft, die wohl gerade wegen dieser Freiheitlichkeit, den Argwohn der Amtskirche und später auch der Stadtväter, bzw. Zünfte auf sich zog. Sie waren nicht genug organisiert, um greifbar zu sein und nicht einheitlich genug, um sie zu vereinnahmen. In einigen überlieferten Schriften wurden sie als „halsstarrig“ bezeichnet, was heißt, sie ordneten sich wohl nicht alle widerstandslos den Anordnungen des Klerus unter. Die Verfolgung der Beginen zog sich über mehrere Jahrhunderte hin, sie wurden immer wieder durch sympathisierende Päpste, Bischöfe oder Lehnsherren geschützt, zwischendurch wurden sie wegen Häresie angeklagt, verbrannt, verfolgt, in eine kirchliche Struktur gepresst (Drittorden, Dominikaner-Klöster) oder einfach enteignet.


In einer Zeit, in der Frauen und Männer in der Gefahr lebten, wegen freiheitlicher Gedanken oder mystischer Erfahrungen Opfer der Inquisition zu werden, war es wichtig zusammen zu stehen. Ebenso wichtig war es, Kontakte zu höheren Instanzen zu pflegen und dort um Schutz zu bitten. Dies gelang nur, wenn der Ruf der Konvente tadellos war. Regeln bestimmten beispielsweise ihr Verhalten außerhalb des Hauses, oder innerhalb des Beginenkonvents. Da jede Hausgemeinschaft damals selbstständig war und ihrer Meisterin zum Gehorsam verpflichtet, waren die Regeln unterschiedlich und wurden sicherlich öfter angeglichen, um dem Klerus entgegen zu kommen und um nicht aufzufallen. Bis die Beginen von der Amtskirche dazu aufgefordert wurden, die Regularien der Drittorden anzunehmen, galten ihre freiheitlich geprägten Statuten.  Die am weitesten verbreiteten Regeln waren recht einfach,  sie ordneten das Benehmen im außen und innerhalb der Gemeinschaft und waren wohl bei allen Konventen und Beginenhöfen üblich.

 

Hier einige Themen, die immer wieder vorkamen (aus „Historische Schriften von Rost, Johann Wilhelm, 1797-1855) In Klammern Anmerkungen der Autorin: 

·        Regelung des Ausgangs nach Einbruch der Dunkelheit.

·       Teilnahme an Gottesdiensten (Beichte und Empfang des Abendmahls)

·   Kranke und Schwache zu pflegen (deshalb waren später Krankenhäuser in der Nähe, galt auch für die Krankenpflege außerhalb der  Konvente).

·       Sterbebegleitung und Bestattungen

·      Kindererziehung und Unterricht (Beginen unterrichteten die Kinder begüterter Bürger).

·       Ausnahmen bei der Ausgangsregelung (Ausgang gab es nur, wenn die Geschäfte oder die Fürsorge für Kranke es nötig machten).

·       Umgang mit Männern (schickte sich nicht, solange eine Begine im Konvent wohnte).

·       Betreten des Konvents von Männern und Außenstehenden (war nur mit Erlaubnis möglich).

·      Einteilung und Aufzählung der Arbeitsgebiete für die Gemeinschaft. Jede sollte entweder Vermögen einbringen, oder sich durch ihre Hände Arbeit ernähren können.

·       Ablegen eines Gelöbnisses (es wurde, wenn überhaupt, nur ein Jahres-Gelöbnis abgelegt, was den Verbleib im Konvent regelte, nach Ablauf dieses Jahres konnte man heiraten und wieder austreten).

·       Unterschiedliche Regularien, die den Verdienst oder das Vermögen der Frauen regelten, auch im Hinblick auf einen Austritt.

·       Die Farben der Kleidung (immer uni – blau, beige, grau, braun)

·       Friedliches Verhalten zwischen den Schwestern (Streit musste vor dem Schlafengehen geschlichtet werden).

·       Keuschheit – (wenn eine Schwester der Unkeuschheit überführt wurde, bezeugt durch mehrere Schwestern, führte das zum Austritt).

·       Die Teilnahme an den Sakramenten.

·       Strafen bei Zuwiderhandlungen gegen die Hausordnung, oder die Handhabung von Verfehlungen.

 

So lautete der Inhalt der Statuten im 15. Jh. der Kortrijker Beginengemeinschaft

Auszug aus der Dissertation von der Dipl. Ingenieurin Gabriele Witt  - 470

 

5.3 Der Sint Elisabeth-Beginenhof in Kortrijk/Courtrai

"Alle drei Jahre, im Beisein zweier Geistlicher von Sint Maarten wählen die Beginen ihre Meisterin oder bestätigen die jetzige in ihrem Amt.
Jedes Jahr am Fest des Heiligen Kreuzes im September legt die Meisterin im Beisein zweier Geistlicher und aller Beginen die Wirtschaftsführung des Hofes offen.
Nur Jungfrauen und Witwen mit gutem Ruf und ohne Schulden können aufgenommen werden, wenn sie willens sind die Statuten zu beachten, die ihnen von der Meisterin vor ihrem Eintritt vorgelesen werden.
Bei ihrem Eintritt bezahlt sie drei livres parisis zugunsten des Beginenhofs, außerdem sechs gros, wenn sie im Konvent wohnen möchte. Jedes Jahr muss sie acht gros für den Unterhalt der Häuser und des Konvents bezahlen.
An den Sonn- und Feiertagen muss sie an der Predigt, der großen Messe, dem Vesper und den "Complies" teilnehmen, an den anderen Tagen eine Messe hören, es sei denn sie ist durch Erkrankung oder einen anderen Grund verhindert.
Samstags, Sonntags, Feiertags und an den Vorabenden von Festtagen versammeln sich die Beginen beim Erklingen der Glocke kurz nach der Vesper zum Gebet in ihrer Kapelle.
Sie dürfen keine Öffnung oder Veränderung an ihrem Haus vornehmen, ohne die Zustimmung der Meisterin und der Mehrheit der Beginen.
Ist eine Begine am Sterben, versammeln sich die Beginen auf Einladung der Meisterin in der Kapelle, um für die Sterbende zu beten. Nach dem Ableben einer Begine entnimmt die Meisterin ihrem Guthaben zwanzig gros zugunsten des Beginenhofs und einen Schoppen Wein für jede Begine.
Jede Begine trägt einfache und bescheidene Kleidung, gemäß dem alten Brauch.
Keine Begine darf eine Person an ihrer Tafel empfangen ohne die Erlaubnis der Meisterin.
Jede Begine muss sich vor Sonnenuntergang im Beginenhof einfinden, bei Nichteinhaltung ohne Zustimmung der Meisterin muss ein Strafgeld von fünf gros zugunsten der Kapelle entrichtet werden.
Will eine Begine nach Sonnenuntergang zu einem ihrer Verwandten zum Essen gehen oder diesen während einer Krankheit besuchen, darf ihr die Meisterin die Erlaubnis nicht verweigern.
Das Tor des Beginenhofs wird in der Zeit von Ostern bis 1. Oktober um 9 Uhr geschlossen, von 1. Oktober bis Ostern um 8 Uhr.
Wenn eine Begine die Stadt verlassen will, wird sie angehalten, die Meisterin um Erlaubnis zu fragen und sich von einem Verwandten oder einer Begine ihrer Wahl begleiten zu lassen.
Wenn eine Begine einen hier dargelegten Artikel überschreitet (...), bestraft die Meisterin sie nach Rücksprache mit vier oder fünf älteren Beginen, indem sie ihr den Ausgang verbietet für ein, zwei oder drei Tage, oder länger, je nach Vergehen.
Wenn eine Begine, das verhüte Gott, sich einem Vergehen gegen das Keuschheitsgelöbnis schuldig macht, wird sie von der Meisterin, nachdem diese den Rat von zwei Geistlichen eingeholt hat, des Hofs verwiesen.
Beim Ableben oder dem Austritt einer Begine bemächtigt sich die Meisterin ihres Hauses oder Zimmers und verkauft oder vermietet es zugunsten des Beginenhofs, gemäß dem alten Brauch.

Ausgefertigt am 31. März 1450 vor Ostern.

 

 

Regel des Beginenhauses zum Turm in Strassburg anno 1267

Hier ein weiteres Beispiel für eine Hausregel, diese wurde allerdings verfasst, als es schon Reglementierungen durch die Kirche gab, auf Anregung des Beichtvaters. Im Laufe der Zeit, bedingt durch die Auflagen des Klerus, wurden immer öfter Klöster als Begünstigte für die Beginenhöfe eingetragen. Sollte ein Konvent aufgelöst werden, fiel das Haus oder Vermögen an das in der Urkunde genannte Kloster.

Einige Regeln oder Hausordnungen wurden übersetzt *1 und bieten einen Einblick in das Leben der Beginen und ihre Herausforderungen im Alltag. [Q20 übersetzt aus dem Lateinischen. Statuten des Beginenhauses zum Turm in Strassburg (1267) bearbeitet von Aloys Schulte, Strassburg 1884, S. 27-28]

 

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen. Wir, die Magistra Beata, die Suppriorin Lucgard von Schlettstadt und die übrigen Schwestern im Haus, das zum Turm in Strassburg genannt wird, deren Namen insgesamt die folgenden sind: die Seniorin Lucgard, Adelheid von Colmar, Junta, Gepa, Irmgard, Christina, Liebirath, Gertrud, Mechthild von Achenheim, Mechthild, die Tochter des Brotbäckers Ulrich Brant, Ellikint, Margarete von Wachenheim, Adelheid Stoll, und ihre Tochter Katharina wollen zur Ehre unseres Herrn Jesus Christus die Ursache einer Verdacht erregenden und schädlichen Lockerung der Ordnung vermeiden und an der empfehlenswerten Zucht festhalten. Auf Rat unseres Beichtvaters, Bruder Friedrich, genannt von Erstein, vom Predigerorden in Straßburg und in Übereinstimmung mit ihm, ordnen wir dies untereinander an und bekennen öffentlich, dass wir dies, nachdem uns das Vertrauen gewährt worden ist, unverletzlich beachten werden. Deshalb ordnen wir an und versprechen, mit dem angemessenen irdischen Vertrauen zu beachten:

 

1. dass eine Frau, die zu unserer Lebensweise zugelassen wird und dabei verbleiben möchte, dieses Ziel aber vor Ablauf eines Jahres aufgegeben hat und weggegangen ist, dass mit freiem Entschluss zurückerlangen kann was auch immer sie an beweglichen und unbeweglichen Gut herbeigetragen hat; doch soll sie zurückgeben, was an diese Ort an Ausgaben oder Lebensmitteln angefallen ist, und zwar für die einzelnen Monate 40 Denare. Darüber hinaus soll sie, wenn sie von den Schwestern irgendetwas an Kleidern oder anderen nötigen Dingen erhalten hat, dies zurückgeben. Und damit diese Abgaben nicht verringert werden, wenn sie zu ihrer Ausstattung gemacht worden sind, sollen weder ihre Werke noch der Nutzen, der aus dem was sie beisteuerte, entsprang oder herauskommen konnte, hinzugerechnet werden.

 

2. Wenn aber die Ausstattung klein war und sie irgendwann nach dem 14ten Jahr weggegangen ist, soll sie diese aufgeben, wie oben angeführt wurde; und wenn sie stirbt, soll das, was sie beigesteuert hat, den Schwestern verbleiben, auch wenn sie noch nicht ausgestattet zu den Schwester kam.  Wenn sie nach Ablauf des 14. Jahres sich per Handschlag verpflichtet hatte, dass sie gehorchen wolle, und später aufgrund einer Willensänderung oder aus einem anderen ernsthaften Grund zurückkehrte – zum Beispiel weil sie Reklusin werden, oder sie aus anderen Gründen zur ehrenwerten Gesellschaft zurückkehren wollte - dann soll sie nichts von allen Dingen, die sie mitbrachte, sei es bewegliches oder unbewegliches Gut, wieder mitnehmen können, außer den Kleidern, die ihr gehören und das Bettzeug, wenn nicht die Gutwilligkeit der Schwestern ihr größeren Dank zukommen lassen will. Auch soll sie fünf Pfund aus ihren Gütern erhalten, wenn sie in ein Kloster eintreten will.

 

3. Auch bestimmen und bewahren wir mit gegebener Zuverlässigkeit die folgenden Dinge:

Wenn irgendeine fleischliche Verfehlung begeht oder ihr nachgewiesen werden kann, dass sie während des nachts Männer eingelassen hat, oder an einem Tag an einem geheimen oder verdächtigen Ort allein mit einem Mann durch die anderen Schwestern, die dies nicht wussten, angetroffen wird, oder wenn sie mit Männern oder Frauen eine verdächtige Vertraulichkeit gepflegt hat, und sie dies nach drei oder vier Ermahnungen nicht vermeiden will, und sie Briefe von ihnen annimmt oder versteckt,

 

4. oder sie sich gegenüber einer Anordnung der Magistra ungehorsam erweist oder es ablehnt zu gehorchen, oder ihre Ausschweifung die Mitschwestern des vorgenannten ungeteilten Hauses störte, indem sie zur Erleichterung von Ausschweifungen der anderen beitrug, ihre schuldhaften Taten den anderen vorgeworfen und schlechte Dinge erzählt wurden, oder wenn sie ihre auferlegten Strafen für ihre Ausschweifungen nicht ertragen will,  soll sie von unserem Haus zu einem im einzelnen festgesetzten Zeitpunkt hinausgeworfen, hinausgedrängt und ausgeschlossen werden. Und sie soll nichts von den Dingen, die sie eingebracht  hatte, sei es bewegliche oder unbewegliches Gut , wieder mitnehmen oder wegtragen lassen, so dass sie von allen Gütern nichts, außer ihren Kleidern, die sie während ihres Aufenthalts trug, mitnehme oder hinaustrage und auch unter dem Vorwand der Bitten von Schwagern, Verwandten und Freunden oder auch irgendwelcher anderer, die ihr nahe stehen, nichts in irgendeiner Weise verändert werde. Wenn die Furcht Gottes diese von der Sündhaftigkeit nicht abhalte, soll wenigstens eine weltliche Strafe ausgesprochen werden.

 

5. Wir bestimmen und bewahren auch mit gegebener Zuverlässigkeit, dass, wenn irgendeine der vorgenannten regeln durch die Unterstellung der Auszuschießenden in Zweifel gezogen worden ist, zum genügenden Beweis das Zeugnis der Magistra oder Subpriorin mit dem größten Teil der Schwestern genüge, und was sie an den vorher gesagten Dingen bestätigen, soll sie wie das Zeugnis wirksam und unumstößlich angesehen werden.

 

6. Darüber hinaus bestimmen wir, dass keine aufgenommen werde, die das mütterlich oder väterliche Gut oder außergewöhnliches oder zuträgliches Vermögen oder andere Dinge, wie sie im weltlichen Leben existieren, aus irgendeinem Grund nicht erben kann, wenn wir sie nicht aus einem anderen Grund zurückweisen.

 

7. Ebenso ordnen wir folgendes an: Wenn irgendeine bei uns in der Gemeinschaft unserer Schwestern den Todestag beschließt oder wenn von uns aus irgendeinem, bereist genannten ehrenhaften oder unehrenhaften Grund nicht abgewiesen wurde, sondern aus eigenem Entschluss die Gemeinschaft verließ, soll auch keiner in ihrem Namen oder irgendeiner der nächsten Erben oder Freunde der Verstorbenen  Forderungen stellen können, genauso wie sie nichts von ihrem Gut fordern kann, wenn sie selbst nicht in die Gemeinschaft zurückkehrt; denn wenn ein Weg nicht zulässig ist, kann das nicht durch einen anderen Weg betrügerisch zugelassen werden.

 

8. Wenn es aus irgendeinem Grund dagegen passieren sollte, dass wir unter dem Vorwand der Armut oder durch ein anderes Unglück getrennt werden, ordnen wir außerdem an, dass von allem, was wir dann an beweglichen oder unbeweglichen Gütern besitzen, jede ihren Anteil durch gleichmäßige Teilung erhalte.

 

9. Genauso ordnen wir an und versprechen durch gebührende Zuverlässigkeit, dass wir in den Dingen, die zur Ordnung und zur Korrektur unseres Standes dienen, unserer Magistra und unserer Subpriorin  gehorchen sowie dem, der uns als Beichtvater für eine gewisse Zeit zugeteilt wurde. Und wir unterstellen uns ihnen mit der gegenwärtigen Anordnung hinsichtlich all dessen, woran hier und oben erinnert und was angewiesen wurde. So geloben wir auch, dass unser Beichtvater dem Rat des Priors der Predigerbrüder gemäß uns in allen betreffenden Artikeln dieser Urkunde befehlen kann, wenn er es für gerechtfertigt hält.

 

10. Diejenige soll aber als Schwester in unsere Gemeinschaft aufgenommen werden, die als Aufzunehmende, nachdem sie die Anweisungen durchgelesen hat und sie ihr zugänglich gemacht wurden, diesen Anweisungen dienen will und versprochen und zudem bekräftigt hat, in der vorgenannten Zuverlässigkeit zu dienen. Wenn sie es aber ablehnt, sich für die zu beachtenden Dinge zuverlässig zu verbürgen, soll sie keinesfalls in unsere Gemeinschaft aufgenommen werden, weder aufgrund einer Bitte, noch für Geld, wie lange sie auch verspricht, einzelne Vorschriften oder alles zu beachten.

 

11. Auch setzen wir fest, dass die Ursache jeglichen zukünftigen Streites ausgeschlossen werde: Denn eine Frau ist auch, wenn sie etwa nicht länger als über ein Jahr hinaus die notwendigen Dinge in den vorausgeschickten Artikeln beachten will, aber geblieben ist, auf die volle Strenge der vorgenannten Artikel verpflichtet, weil sie nach dem ersten Jahr verblieb und keine Bittschrift sie in ihren Gütern zu Hause wohnen lässt; dennoch wird sie wegen ihrer Ausschweifung von unserem Haus und unserer Gemeinschaft ausgeschlossen. Damit dies alles aber festgehalten werde, ließen wir die vorliegende Urkunde auf unsere Bitte hin durch die richterlichen Sigel unseres Herrn Bischofs und des Herrn Hermann  unseres verehrten Vaters und Schatzmeisters zu Straßburg , bekräftigen. Wir, der Richter der Kurie von Straßburg und der Schatzmeister von Straßburg bekennen öffentlich, dass alle vorstehenden Anweisungen in unserer Gegenwart angeordnet wurden und auf die Bitte der vorgenannten Frauen die vorliegende Urkunde durch unser Sigel bekräftigt wurde. Geschehen und gegeben in Straßburg, im Jahr des Herrn 1276, um den Sonntag nach Ostern 12.4., in der Gegenwart des Bruders Heinrich von Basel, einstmals Lektor, des Bruders Friedrich, genannt von Ernstein,  und des Bruders Heinrich von Köln von den Predigerbrüdern, des Herrn und Ritter Johann, genannt von Blumenau, Petrus Bucilinus, des Brotbäckers Ulrich Brant und seines Tiefsohnes Drutmann,  der Frau Gepa, Ehefrau des Herrn Napin, und der Ellina, Schwester des obengenannten Petrus. 

Quellenverzeichnis

*1 (Verlag: Schulz-Kirchner - Historisches Seminar, Klosterfrauen, Beginen, Ketzerinnen, von Fößel/ Hettinger – die Erlaubnis zur Verwendung liegt vor)

In diesen Regeln, sie waren sehr umfangreich und detailliert, kann man ersehen, dass der Beichtvater erwähnt und einbezogen wurde. Da der Klerus ab ca. 1250 empfahl eine Drittordensregel anzunehmen, wurden die Hausregeln der Konvente ab diesem Zeitpunkt zumindest an diese angeglichen, um keinen Argwohn auf sich zu ziehen.

 

 

Beginen-Regeln heute

Auch heute gibt es Beginenhöfe die sich Regeln geben, deren Befolgung dem spirituellen Fortschritt dienen und ein friedliches Miteinander regeln sollen. In den Schriften des Beginenhofs Nordhastedt gibt es eine Begründung, warum solche Regeln sich günstig auswirken können und warum sie für spirituelle Strebende auch heute so hilfreich sind. Der große Freiheitsdrang heutiger Menschen lässt oft vergessen, was der wirkliche Grund sein könnte, für ein Leben innerhalb dieser Werte, Tugenden und spirituellen Grundlagen. Sie bringen Schutz, führen mit der Zeit erst wirklich in eine größere Freiheit und können die Verbindung nach oben stärken. Für mein Empfinden ist es immens hilfreich, wenn man die Hintergründe kennt WARUM etwas empfohlen wird, das lässt das kontraproduktive Gefühl von Zwang gar nicht erst aufkommen.

Die Regeln des Beginenhofs Nordhastedt können hier eingesehen werden.