Die zwei Wege im heutigen Beginenwesen

von Uta-Maria Freckmann (C) November 2019

 

Seit einigen Jahren recherchiere ich zum Thema moderne und historische Beginen. Mehrere Texte sind daraus entstanden, die jedes Mal meine Recherche-Ergebnisse zusammenfassten. Dieser Text möchte zwei verschiedene Strömungen exakter einteilen und Unterschiede benennen. Für gemeinschaftssuchende Frauen kann es wichtig sein, ihre Wünsche und Vorstellungen genau zu definieren, damit die für sie passenden Wege eingeschlagen werden können.

 

Eine Strömung fasst diverse Beginenhöfe zusammen und ist im Dachverband der Beginen durch deren Vorstand definiert. Diese betont das gemeinsame Wohnen und füreinander da sein. Nach eigener Aussage sehen Sie sich parteipolitisch unabhängig", "überkonfessionell" und haben einen "Schwerpunkt auf der Förderung von Wissenschaft und Bildung" und der "Forschung zur historischen und modernen Beginenkultur“, die der gesellschaftspolitischen Frauenemanzipation eine neue Dimension hinzufügen soll. Sie betrachten sich als überkonfessionell und lehnen ein Leben mit Gott, oder Freundschaft mit Gott und die dazugehörigen Werte, als zu eng gefasst ab.

 

Die zweite Strömung betrachtet sich als nicht-konfessionell, denn es geht um eine freie Spiritualität, die sämtliche Religionen beinhaltet, die aber auch außerhalb der Religionen beheimatet ist. Sie orientiert sich an den historischen Beginen, deren zwei Standbeine auf sozialem Engagement und einer freien Spiritualität beruhten (außerhalb der Amtskirche, aber mit christlichem Hintergrund, Gott in uns). Diese Strömung hat einen lockeren Zusammenhalt durch das Beginen-Netzwerk, welches Austausch und Gemeinschaft anbietet, allerdings ohne organisiert zu sein (kein Verein oder ähnliches) und ohne eine feste Mitgliedschaft von Frauen anzustreben. Hier sind Frauen anzutreffen, die eine freie Spiritualität leben wollen, die den Sinn von Ethik, Werten und Geboten als wichtig erachten, um einem sicheren spirituellen Weg zu folgen. Austausch und Gemeinschaft werden hier zumeist durch Seminare und Treffen angeboten, die sich mit Spiritualität im Alltag und innerem Frieden beschäftigen. Zahlreiche Recherchen zum Beginenwesen finden sich hier auf der Homepage.

 

Innerhalb meiner Recherchen treffe ich immer wieder auf Frauen, die ihre Spiritualität weiblich definiert wissen wollen, und schließlich beginnen, Gott abzulehnen oder ihn durch weibliche Gottheiten oder neue Definitionen zu ersetzen. Patriarchale Strukturen in der Welt, schlechte Erfahrungen mit Männern oder männliche Dominanz können dazu beitragen. Die Bezeichnung Gott sollte niemals mit männlich/physischen Attributen verbunden werden, auf höheren geistigen Ebenen gibt es keine Spaltung oder Polarität in männlich oder weiblich mehr (wie hier auf der Erde), somit ist in dem Begriff „Gott“ alles enthalten, auch „der (göttliche) Geist“. Zur weiblichen Spiritualität ist der Text von Manuela Schindler zu empfehlen, der dieses Thema vertiefend behandelt, hier zu lesen: "Weibliche Spiritualität" .

 

Uta-Maria Freckmann
11-2019